10. September 2018 | Rubriken: Areal

1. Zukunftskolloquium: Freiheit Emscher macht mobil

 

 

Bei Freiheit Emscher macht mobil diskutierten Alexa Waldow-Stahm (Stahm Architekten), Björn Maaß (MHP Management & IT Beratung GmbH), Markus Masuth (RAG Montan Immobilien GmbH), Dr. Christian Adams (SHP Ingenieure), Prof. Dr. Christian Holz-Rau (TU Dortmund), José Luis Castrillo (Verkehrsverbund Rhein-Ruhr), Klaus Müller (Stadt Bottrop) und Moderator Stefan Prott (RDN Agentur für PR).

 

Unter dem Titel „Freiheit Emscher macht mobil“ schlug am 5. September das erste von drei Zukunftskolloquien den Bogen zwischen den Zukunftstrends der Mobilität und dem kürzlich beschlossenen Zielkonzept für das Projektgebiet Freiheit Emscher. Eine Erschließung des riesigen Raumes von 1.700 Hektar Größe durch neue Infrastruktur ist die zentrale Voraussetzung für das Gelingen des Projektes. Darin waren sich die Experten und Projektbeteiligten vor rund 70 Fachbesuchern im Essener Bildungshotel einig. „Freiheit Emscher macht mobil“ ist zugleich eine zentrale Positionierung, die die Planer im Zielkonzept entwickelt haben – neben „Freiheit Emscher arbeitet digital“ und „Freiheit Emscher schafft Stadtraum“, zu denen es ebenfalls im September je ein Zukunftskolloquium geben wird.

Eine urbane Idylle ausschließlich mit öffentlichem Personennahverkehr (ÖPNV), Car-Sharing und autonom fahrenden Elektroautos wird wohl auf absehbare Zeit Utopie bleiben, prognostizierte Prof. Dr. Christian Holz-Rau von der TU Dortmund in seinem Vortrag. „Autonomes Fahren wird für die städtische Entwicklung über Jahrzehnte keine wesentliche Rolle spielen. Hier werden wir auf absehbare Zeit allenfalls einen Mischbetrieb haben“, so der Verkehrsplaner. Die Vorteile der Technik lägen ohnehin eher im Fernverkehr. Er sprach sich für ein Gesamtkonzept aus, das überflüssige Fahrten und Wegstrecken vermeidet, verbleibende Verkehre verlagert und sie dort verträglich, heißt möglichst CO2-arm abwickelt.

Gewerbe-Boulevard und Umwelttrasse bilden ein Tandem
In diesem Sinne hatten die Planer des interkommunalen Projektes Freiheit Emscher bereits die Idee einer „Umwelttrasse“ und eines neuen „Gewerbe-Boulevards“ in ihr Zielkonzept für die verkehrliche Erschließung einfließen lassen. Es sieht vor, die zukünftigen Gewerbegebiete Welheimer Mark, Sturmshof, Coelln-Neu Essen sowie Emil-Emscher durch eine neue, hochwertige Straße – den „Gewerbe-Boulevard“ – in Nord-Süd-Richtung zu verbinden. Parallel dazu soll die „Umwelttrasse“ eine neue Verkehrsachse zwischen den beiden Hochschulstädten Bottrop und Essen schaffen und in ihrem Verlauf neue Angebote und Formen der Mobilität der Zukunft bündeln. „Die Umwelttrasse ist das verbindende interkommunale Element der Städte Bottrop und Essen und Rückgrat der Freiheit-Emscher-Gebiete. Sie dient zugleich als Showcase für eine neue urbane Mobilität“, erklärte Alexa Waldow-Stahm vom Büro STAHM Architekten in ihrer Präsentation. Das Architektenbüro bildet mit den Büros LAND Germany und SHP Ingenieure die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Freiheit Emscher, die die Städte Bottrop und Essen gemeinsam mit der RAG Montan Immobilien GmbH mit der Erstellung eines strategischen Masterplans beauftragt haben. Das bereits vorliegende Zielkonzept mit den drei Positionierungen zu Mobilität, Digitalisierung und Stadtraum bildet darin eine Vorstufe zum Masterplan. „Mit beiden Verkehrsachsen erschließen wir auch die attraktivsten Lagen am Kanal, die bislang noch häufig als Hinterhöfe wahrgenommen werden“, so Waldow-Stahm.

Neuer BAB-Anschluss: Potenzialflächen auf kurzem Weg ans Fernstraßennetz anbinden
Das dritte wesentliche Element des Erschließungskonzeptes ist die Schaffung einer neuen Anschlussstelle an die A42 in Höhe Bottrop-Lichtenhorst, die den Namen „Freiheit Emscher“ tragen und die Verkehre von und zu den neuen Potenzialflächen auf kurzem Weg in das überregionale Fernstraßennetz leiten wird – und zwar „ohne eine zusätzliche Verkehrsbelastung in städtebaulich sensiblen Bereichen“ wie zum Beispiel dem Bahnhofsumfeld Bottrop, heißt es im Zielkonzept.

Leitzziel: Verkehrsvermeidung
„Das große Leitziel des Verkehrskonzeptes heißt Verkehrsvermeidung“, erläuterte Dr. Christian Adams, Verkehrsplaner vom Büro SHP Ingenieure. Im Fokus des Zukunftskolloquiums „Freiheit Emscher macht mobil“ stand daher die Diskussion, wie moderne Stadtentwicklung die Mobilitätswende antizipieren und fördern kann. Als das „zentrale Schlüsselthema“ hatte Markus Masuth die verkehrliche Erschließung bereits in seiner Begrüßung genannt: „Wir haben schnell gesehen, dass wir nicht mit kleinen Lösungen für die einzelnen Gebiete weiterkommen, sondern einen großen Entwurf benötigen. Ohne ein differenziertes und modernes Mobilitätskonzept wird die Erschließung des Areals nicht funktionieren“, so der Vorsitzende der Geschäftsführung der RAG Montan Immobilien GmbH.

Mobilitätsbudget statt Dienstwagen
In Impulsvorträgen diskutierten Projektpartner, externe Experten und Fachbesucher anschließend neue Mobilitätskonzepte: Björn Maaß von der SHP Management und IT Beratung GmbH, einer Tochter des Porsche Konzerns, präsentierte Ideen, wie ein betriebliches Mobilitätsmanagement auf die Ansprüche einer neuen Generation von Mitarbeitern eingeht, die vielfach kein eigenes Automobil mehr besitzen wollen. Er sprach sich gegen klare Entweder-oder-Lösungen, sondern für multimodale Konzepte aus: „Viele Arbeitnehmer wollen heute vielleicht mit dem Auto, morgen mit der Bahn und übermorgen mit dem Rad zur Arbeit fahren.“ Betriebe könnten darauf eingehen, indem sie etwa Mobilitätsbudgets statt eines Dienstwagens bereitstellen. Pooling-Apps könnten helfen, Fahrgemeinschaften zu bilden, und auch finanziell gratifizierte Aktionen wie der „grünste Mitarbeiter des Monats“ könnte weitere Anreize schaffen. „Solche Angebote sind bereits jetzt ein Wettbewerbsfaktor für Unternehmen“, so Maaß.

Mut zu großen Schritten
Vor einer zu großen Fragmentierung der Verkehrsströme warnte allerdings José Luis Castrillo, Vorstand des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr, in der abschließenden Podiumsdiskussion: „Häufiges Umsteigen geht zulasten der Attraktivität.“ Er appellierte an die Politik beim Ausbau alternativer Verkehrswege, auch der Radwege, mutig voranzuschreiten. „Günstiger als mit Radwegen ist die Verkehrswende nicht zu haben.“

Kurze, emissionsfreie Wege
„Entscheidend wird sein, wie wir die Anbindung an umliegende Wohngebiete und die Innenstädte schaffen“ sagte Klaus Müller, Technischer Beigeordneter der Stadt Bottrop. „Mit einem attraktiven ÖPNV- und Radwegenetz erreichen wir, dass die Menschen sich auch entlang der Erschließungswege arbeitsortnah ansiedeln und Wege im besten Fall auch emissionsfrei zurücklegen.“ Wenn gute Alternativen zum Auto vorhanden seien, könne man im zweiten Schritt auch über die Begrenzung von Parkraum in der Freiheit Emscher sprechen. Prof. Dr. Holz-Rau hatte zuvor gefordert, den Ausbau eines Wegenetzes mit der Limitierung des Autoverkehrs und/oder des Parkplatzangebotes einhergehen zu lassen und das Angebot von Parkflächen früh in der Planung zu berücksichtigen.

Weitere Zukunftskolloquien
Am Mittwoch, dem 12. September 2018, widmet sich zwischen 14 und 17 Uhr im Großen Saal der VHS Essen ein zweites Zukunftskolloquium dem Thema „Freiheit Emscher arbeitet digital“. Und am 25. September 2018, wieder im Essener Bildungshotel, geht es zur gleichen Zeit um „Freiheit Emscher schafft Stadtraum“.

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Die Referenten

 

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Die Vorträge und Diskussionen